In der vorliegenden Arbeit konnten grundlegende Beiträge zum Aufbau und zur Funktionalisierung von Stickstoff-Fulleren-Systemen geleistet werden.
Darstellung und Eigenschaften des Monoazaheterofullerens (C59N)2
Die vor Beginn dieser Arbeit in unserem Arbeitskreis entwickelte Methode zur FAB-massenspektrometrischen Erzeugung des Heterofulleren-Ions C59N+ konnte durch die Wahl des 1,6;1,9-Bis-{aza-(N-methoxyethoxymethyl)}homo[60]fullerens 4b modifiziert werden, so daß die Darstellung makroskopischer Mengen an C59N in der dimeren Form 17 gelingt (Kap. 3.2.1., Seite 16). Die in Abbildung 12 (Seite 21) gezeigte Struktur wurde spektroskopisch u. a. durch 13C MAS NMR-Spektroskopie bewiesen.
Mit der bei der Reaktion ebenfalls entstehenden alkoxysubstituierten Verbindung 18 konnte darüberhinaus erstmalig ein monomeres C59N-Derivat isoliert und charakterisiert werden (Kap. 3.2.3., Seite 23).
Eine wichtige Zwischenstufe der C59N-Synthese ist das Triazolinderivat 1b. Die Röntgenstruktur dieser Verbindung ist in Kap. 3.2.5.1. (Seite 25) gezeigt.
Darstellung der vom C70 abgeleiteten Heterofullerene (C69N)2 und ROC69N
Mit dieser neuen Methode wurden zum ersten Mal vom [70]Fulleren abgeleitete Heterofullerene C69N synthetisiert (Kap. 3.2.6., Seite 33). Edukte der Darstellung sind die zu 4b analogen Verbindungen 22 und 23, welche ein 1,6;1,9- bzw. 2,3;2,12-Additionsmuster aufweisen. Entsprechend der Konstitution der Ausgangsverbindungen ist zu erwarten, daß jeweils ein anderes C-Atom des [70]Fullerengerüsts durch ein Stickstoffatom ersetzt wird. Tatsächlich konnten drei dimere (C69N)2-Isomere 24, 25 und 26 (AA-, AB- bzw. BB-Substitution) sowie zwei monomere Spezies ROC69N 27 und 28 (A- bzw. B-substituiert) nachgewiesen werden (Schema 6, Seite 36).
Reaktionen des Azaheterofullerens (C59N)2
Erhitzen von (C59N)2 17 an Luft mit Säure in Gegenwart von Aromaten wie Anisol, Toluol und 1-Chlornaphthalin führt zur Bildung der entsprechend arylierten Verbindungen 35-37 (Kap. 3.3.2., Seite 41). Als Mechanismus wird eine elektrophile aromatische Substitution (SEAr) vorgeschlagen. Es handelt sich um die erste bekannte Reaktion, bei der (C59N)2 nach homolytischer Spaltung als Elektrophil reagiert. Als reaktive Spezies wird das C59N+-Ion 14 angenommen, welches nach homolytischer Spaltung des C59N-Dimers durch Oxidation des intermediär gebildeten Radikals entsteht. Interessant ist, daß die Arylierung auch ausgehend vom Edukt der (C59N)2-Darstellung 4b gelingt.
Bei 35-37 handelt es sich um stabile, sehr gut lösliche Verbindungen, welche in Ausbeuten von teilweise über 90 % isoliert werden können. Sie sind verglichen mit 17 aufgrund der geringeren Anzahl der zu erwartenden Isomere ideale Ausgangsverbindungen zur systematischen Untersuchung der Reaktivität des C59N-Kerns.
Aufgrund der starken Desaktivierung von o-Dichlorbenzol für SNAr-Reaktionen erfolgt bei obiger Reaktionsführung keine Arylierung, sondern die Oxidation von 17 zum N-Oxid N59C-C59NO 38 (Kap. 3.3.3., Seite 48).
Die Umsetzung von (C59N)2 mit elementarem Brom (Kap. 3.3.4., Seite 51) führt zum orangefarbenen Additionsprodukt 40. Aufgrund der extremen Unlöslichkeit der Verbindung ist keine eindeutige Charakterisierung möglich, es ist jedoch wahrscheinlich, daß 40 in der in Abbildung 33 (Seite 51) gezeigten, vom C60Br6 abgeleiteten Struktur vorliegt.
Addition von Bisazidoverbindungen an C60 und Gerüstmodifikationen
Durch Addition verbrückter Bisazide (Kap. 3.4.3.1., Seite 55) an C60 sollte ausgelotet werden, ob sich die bekannten Methoden zur Aza[60]fulleren-Herstellung (Kap. 3.2 und nach Wudl et al., Ref.81) auch für die Synthese höherer Stickstoffheterofullerene, beispielsweise dem Bisaza[60]fulleren C58N2, eignen (vgl. Schema 14, Seite 54).
Die Umsetzung von C60 mit der Bisazidoverbindung (N3CH2OCH2CH2)2O 44 führt zur Bildung des N-verbrückten Bisazahomo[60]fullerens 48 (Kap. 3.4.3.2., Seite 57). Das Produkt weist das gleiche 1,6;1,9-Additionsmuster auf wie 4b und ist ungeeignet zur Darstellung höherer Heterofullerene, weist aber eine interssante Fulleren-Kronenetherstruktur auf. Nach Luh et al.53 führt die Addition von über kurze Spacer verknüpften Bisaziden zur Bildung eines von 4b abweichenden 1,6;7,8-Additionsmusters. Die entsprechenden propyl- bzw. methoxymethylverknüpften Bisazahomo-Verbindungen 50a und 50b wurden synthetisiert (Kap. 3.4.3.4., Seite 62), wobei die Bistriazolo-Zwischenstufen 49a,b isoliert und charakterisiert wurden (Kap. 3.4.3.3., Seite 59).
Für C70 wurde die Regiochemie der Addition von über Dreierketten verbrückten Bisaziden aufgeklärt und die beiden isomeren Bistriazoline 53 und 54 dargestellt. Dabei wurden zum ersten Mal Derivate von C70 erhalten, bei denen zwei [6,6]-Addenden an einem Pol des Moleküls gebunden vorliegen (Kap. 3.4.3.5., Seite 68).
Analog der Methode von Wudl et al.96 wurden 50a,b mit Singulettsauerstoff umgesetzt und so die clustergeöffneten Oxidationsprodukte 56-58 gewonnen (Kap. 3.4.3.6., Seite 71), welche im FAB-Massenspektrometer äußerst effizient zu C59N+ fragmentieren (Kap. 3.4.3.7., Seite 77). Die Herstellung höherer Heterofullerene gelingt zwar nicht, doch läßt sich 57 in guten Ausbeuten zu (C59N)2 17 umsetzen und stellt somit die dritte bekannte Ausgangsverbindung zur Synthese von Aza[60]fullerenen dar (Kap. 3.4.3.8., Seite 78).
Darstellung des endohedralen Fullerenkomplexes N@C60
C60 besitzt die außerordentlich bemerkenswerte Eigenschaft, selbst so reaktive Teilchen wie einzelne Stickstoffatome im Innern des Käfigs stabilisieren zu können. Im Rahmen dieser Arbeit wurde der in Abbildung 58b (Seite 88) schematisch gezeigte Reaktor gebaut, in welchem nach dem Prinzip von A. Weidinger et al.12 N@C60 durch Ionenimplantation hergestellt werden kann. Dazu werden bei einer Glimmentladung erzeugte Stickstoffionen im elektrischen Feld auf eine durch einen Kryostaten gekühlte, geerdete Kathode beschleunigt, auf welche gleichzeitig C60 aufsublimiert wird. Die Apparatur arbeitet bei einem Druck von 0.4 mbar, die angelegte Spannung beträgt etwa 700 V.
Das so gewonnene Material zeigt im ESR-Spektrum (Abb. 59, Seite 90) drei extrem scharfe Linien, woraus geschlossen werden kann, daß das Stickstoffatom keinerlei Wechselwirkungen mit der inneren Oberfläche des Fullerens eingeht und das Stickstoffatom in seinem Grundzustand (4S3/2) vorliegt. Die typische Spindichte liegt im Bereich von 1.4*1014 Spins/g, was einem N@C60/C60-Verhältnis von etwa 1.8*10-7 entspricht.